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ADHS + Unaufmerksamkeit = Jede Menge kaputt

Marmor, Stein und Eisenbahn bricht - bei ADHS-Kindern leider sehr oft
Marmor, Stein und Eisenbahn bricht - bei ADHS-Kindern leider sehr oft

Klirr, peng, splitter, zack, ratsch - wem kommen diese Geräusche bekannt vor? 
Bei uns geht regelmäßig Geschirr zu Bruch, wird etwas zertreten, zerbrochen, zerdrückt oder zerrissen. Meine beiden Kinder sind oft überdreht und stets mit den Gedanken ganz woanders. Die Kombination aus Unaufmerksamkeit und Hibbeligkeit sorgt für jede Menge Verlorenes, Kaputtes und Vergessenes.


Und dann ist da natürlich noch dieser Drang, Dinge anders zu machen, als man sie normalerweise machen würde. Da werden Teller verkehrt herum gestapelt und getragen, Gläser auf dem Finger balanciert, ein Schnelligkeitscontest aus dem Abräumen gemacht oder auch mal Sachen geworfen. 
"Halt das bitte fest!" oder "Pass auf!" schicke ich zwar jeweils mit, könnte ich mir aber auch sparen. Sind es nur Teller, Gläser oder ähnliches, wird mit einem beruhigenden "Nicht schlimm, nur jetzt nicht reintreten" eben per Staubsauger das Malheur beseitigt. Das Töchterlein heult vor Schreck doch jedes Mal wie eine Sirene los und verfällt in ein "Immer muss das mir passieren". Da heißt es trösten und deeskalieren. Kann man ja auch alles ersetzen –  Sets leben bei uns eben nicht lange, es ist alles durcheinandergewürfelt und passt nicht zusammen. Unser Zuhause ist eben kein "Schöner Wohnen"-Katalog, sondern eher ein Wimmelbuch. 

Früher habe ich geschimpft. "Könnt ihr nicht besser aufpassen!" "Ja, schaut halt mal, wie es hier aussieht!" "Wenn auch überall alles herumliegt..." oder "Trag das halt wie jeder andere auch, ist doch klar, dass das runterfällt!"
Aber das hat uns kein Stück weitergebracht. Die Tränen flossen umso stärker, das Geheul war umso lauter. Und kaputt war das Stück ja trotzdem.
Früher dachte ich auch manchmal heimlich für mich, sie machten das mit Absicht. Um mich zu ärgern, um beim nächsten Mal nicht mehr helfen zu müssen, weiß der Geier. Mittlerweile weiß ich, die Kinder können nicht anders. Also seufze ich kurz (das muss sein), und dann tröste ich nur noch. 

 

ADHS-Gehirn: Mach die langweilige Aufgabe doch spannender!

 

Sie sind nunmal unruhig und wild, die Energie muss raus, aus langweiligen Aufgaben macht das Gehirn ein lustiges Spiel (ich räume den Tisch ab, muss aber auf einem Bein hüpfen / darf nicht auf die Fugen zwischen den Fliesen treten / muss schneller als 2 Minuten sein) und dann passiert es eben. Sie nicht mehr helfen zu lassen, ist für mich keine Option. Sie sollen sehen, dass sie es meistens gut können. Nicht in Vermeidungshaltungen verfallen und denken, sie kriegen eh nichts "richtig" hin.

 

Schlimmer ist es aber, wenn Dinge kaputtgehen, die den Kindern wichtig sind. Denn auch bei denen können sie nicht besser aufpassen. Sie stellen sie zu Beginn auf Ehrenplätze im Zimmer, aber je unordentlicher es wird, desto weniger fällt dann eben auf, wenn sie die Ehrenplätze verlassen haben und exponiert irgendwo liegen. 
Wie viele Tränen gab es schon um Selbstgebasteltes, -gemaltes, -gebautes oder -gekauftes, das plötzlich kaputt war. Denn natürlich wird nicht vorsichtig über das Chaos gestiegen, sondern gerannt, gesprungen, getanzt und geturnt. Plötzlich knirscht es dann unter einem Pullover oder einem Kissen, oder Papier reißt, und das Drama nimmt seinen Lauf.

Was haben wir alles probiert! Ordnungssysteme, Mappen, Kisten, Sortierkästen, mehr Schränke und Regale  –  allein, das Chaos ist stärker. 

 

Auch aus Wut gehen Dinge kaputt - was Abhilfe schaffen kann

 

Was auch passiert: Mutwillige Zerstörung. Das Töchterlein ist wütend, sieht rot, knallt mit den Türen, wirft mit Dingen, zerreißt Papier, zertrampelt Sachen oder zerschlägt sie irgendwo. Sie schafft es dabei aber immer, die Eigentümer ihres Bruders zu erwischen, nicht ihre eigenen, was eine gewisse Denkleistung und Kontrolle voraussetzt. Und wenn sie die hat, kann sie sich in meinen Augen auch genug kontrollieren, um nur Kissen und Decken zu werfen. Ein Boxsack hatte leider nicht die gewünschte Wirkung – aber eine Tafel war es. 
Darauf kritzelt sie wütende Gesichter und schreibt jeweils dazu, warum sie so sauer ist. Das hat allen Beteiligten geholfen: uns Erwachsenen, ihre Sicht der Dinge zu verstehen (ICH HAB HUNGA!), und ihr, die Wut nicht mehr an Zerbrechlichem auszulassen. 
Sie kann sich ausdrücken und die Wut kreativ ausleben, und lesen zu können, wrorum es gerade geht, bringt uns viel weiter als Scherben und Papierfetzen aufzusammeln und zu rätseln, was los ist.

 

Auf der Tafel lässt sich alles schreiben. Auch mal, wie doof alle sind
Auf der Tafel lässt sich alles schreiben. Auch mal, wie doof alle sind

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